A bissel was geht immer - Szene 16: Ein rechter Scheißdreck war´s
Writing by admin on Freitag, 29 of Februar , 2008 at 04:05
Dr. Schönfärber: Gut, sehr gut, Jahrhundertwein. Es geht doch nichts über eine 68er Güldene Abtsleite Trockenbeeren Spätauslese.
Monaco Franze: Es gibt nicht leicht einen Genuss von dem er nix versteht, gell Spatzl? Ge, Herr Dr. Schönfärber, dann sind´s ein rechter Weinkenner auch. Ja, so ein Massel, dass Sie dabei sind, weil allein hätten wir Banausen wahrscheinlich einen rechten Sauerampfer bestellt, was meinst jetzt Du Spatzl?
Annette von Söttingen: Bitte, Franz.
xy: Ach Kinder, lasst uns fröhlich sein.
Dr. Schönfärber: Ja, sehr zum Wohl.
Monaco Franze: Zum Wohl…. Ja was ist jetzt? Wollten wir uns nicht ein bissel über die Aufführung unterhalten? Dann tät ich jetzt vielleicht einmal sagen, was ich äh so ganz spontan für einen Eindruck gehabt hab - soll ich des jetzt sagen, Spatzl? Also grad heraus?
Annette von Söttingen: Jetzt lass doch erstmal die anderen zu Wort kommen, Franz. Olga? Olga hat heute überhaupt noch nichts gesagt. Was meinst denn Du, Olga?
xy: Ja, Olga, sag mal was.
Olga: Ja, also ich find es wahnsinnig schade, dass Siegfried heute Abend nicht dabei sein konnte. Find ich wahnsinnig schade.
Monaco Franze: Weil´s so schön war, Olga, gell?
Olga: Ja.
Monaco Franze: Aha, ein rechter Scheißdreck war´s, altmodisch bis provinziell war´s, des war´s.
xy: Wie, wie, wie?
Dr. Schönfärber: Was, was, was?
Monaco Franze: Ja, vielleicht nicht? Oder haben Sie vielleicht schon einmal so einen uninspirierten Dirigenten erlebt, so einen lahmen?
Annette von Söttingen: Franz. Das war der große alte Wedelstett.
Monaco Franze: Na und schon, Alter schützt vor Lahmheit nicht.
xy: Hahahaha…
Dr. Schönfärber: Ja, Herr Münchinger, entschuldige Annette wenn ich mich hier einmische, ich kann mir schon denken, worauf Sie hinauswollen: Sie wollen hier um jeden Preis originell sein. Aber doch bitte nicht auf Kosten von Künstlern von Weltruf.
Monaco Franze: Künstler von Weltruf? Da, da muss Ihnen ja die Brünhilde besonders gut gefallen haben.
Dr. Schönfärber: Lieber Herr Münchinger. Seit Birgitt Nielsen haben wir hier in München keine so herausragende Bründhilde mehr gesehen.
Monaco Franze: Die war nicht herausragend, Hr. Doktor, nicht einmal indisponiert, sondern einfach hundsmiserabel schlecht. Also milde ausgedrückt. Und der Wotan der war gleich so farblos, dass er gar nicht vorhanden war. Wollen Sie nochwas wissen, Herr Dr. Schönfärber?
xy: Hahahahaha…
Annette von Söttingen: Franz, Du bist jetzt ruhig. Wenn Du schon nichts davon verstehst, dann sag wenigstens nichts.
Monaco Franze: Doch, jetzt sag ich´s ihm ganz genau. Weil die Oper da die g´schissene, das ging ja noch, viel schlimmer ist, dass wir in München ein Publikum haben, was hinten und vorne von nix was versteht und sogar jeden Reinfall zu einem einmaligen Erlebnis hochjubelt.
xy: Hahahahah….
Dr. Schönfärber: Ja, jetzt hört der Spaß auf.
Annette von Söttingen: Franz, ich möchte jetzt gehen - sofort. Aber sofort.
Monaco Franze: Ich nicht, Spatzl.
Dr. Schönfärber: Ja, Herr Münchinger, wir alle wissen ja, dass Sie in diesen Dingen keinen Schimmer haben. Bitte sehr, dafür können Sie nichts. Wir alle wissen auch, dass Sie sich für kulturelle Dinge nicht besonders interessieren, gut, bitte sehr. Aber wenn man schon nichts versteht, und wenn man sich schon für nichts interessiert, dann setzt man sich nicht hierher, frech und präpotent und spricht unqualifiziertes Zeug über einen herrlichen, unvergesslichen Abend, ein einmaliges Kunsterlebnis, eine Sternstunde. Dankbar und glücklich müssen wir sein, dass wir dabei sein durften. Da schweigt man still und hält sein dummes Maul.
xy: Oh, oh, oh…
Dr. Schönfärber: So, jetzt möcht ich gehen.
Monaco Franze: Spatzl, jetzt glaub ich schmier ich ihm gleich eine. Soll ich ihm eine schmieren, Spatzl?
Annette von Söttingen: Wir sprechen uns später, Franz. Ich bin sehr enttäuscht von Dir, bitte Edgar bleibt Ihr da, wir gehen.
Olga: Ich kann ja auch gehen.
Monaco Franze: Ciao…
xy: Schade, die Stimmung ist weg. Mal sehen, ob sie wiederkommt.
Annette von Söttingen: War das nötig?
Monaco Franze: Ich hab nix anderes gesagt, als wie meine Meinung, Spatzl. Und die wird man ja wohl noch sagen dürfen.
Annette von Söttingen: Deine Meinung - die hättest Du Dir sparen können. Deine Meinung.
Monaco Franze: Sie, hallo, ist das die Zeitung von morgen?
Zeitungsmann: Ja.
Monaco Franze: Dankeschön… Du schau, Spatzl, da steht schon die Vorkritik von dem, äh, wie heisst er, Böttner-Salm drin. Äh, äh, horch Spatzl: Riesen Reinfall für Walküre. Unter der uninspirierten und lahmen Stabführung des alten Wedelstett fand gestern Abend in der Münchner Staatsoper…
Annette von Söttingen: Da siehst Du wieder, was dieser Schönfärber für ein dummer Schwätzer ist. Das soll er jetzt mal lesen, dieser Ignorant.
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Category: Folge 1 - A bissel was geht immer
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